Erlaubt sind nur die Hilfsmittel, die nach den aktuellen Regeln deiner konkreten Prüfung vorgesehen sind. Eine allgemeine Liste für Schule, Universität und IHK gibt es nicht. Prüfe Institution, Fach oder Beruf, Prüfungsteil, Termin und mögliche Bearbeitungsregeln für jedes Hilfsmittel. Maßgeblich sind die geltende Prüfungsordnung und die dazu veröffentlichten Hilfsmittel- oder Prüfungshinweise. Bleibt ein Punkt offen, frage die danach zuständige Stelle rechtzeitig und schriftlich.
Kurz erklärt: „Taschenrechner erlaubt“ sagt noch nichts über Programme oder Speicher. „Gesetzestext erlaubt“ sagt noch nichts über Markierungen. „Open Book“ sagt noch nichts über elektronische Geräte.
Wichtiger Hinweis: Welche Hilfsmittel zulässig sind, ergibt sich aus den Regeln deiner konkreten Prüfung. Prüfe Prüfungsordnung, Hilfsmittelbekanntmachung und Prüfungshinweise zusammen. Kläre Unklarheiten schriftlich mit der dort zuständigen Stelle. Spickboy gibt keine universelle Zulassungszusage.
Weitere Orientierung zu Prüfung und Vorbereitung findest du im Spickboy™ Ratgeber.
Was zählt als Hilfsmittel in einer Prüfung?
Ein Hilfsmittel ist ein Gegenstand, Dokument oder technisches System, das du bei der Bearbeitung verwenden darfst. Typische Gruppen sind:
- Schreib- und Zeichenmaterial,
- Taschenrechner oder andere digitale Mathematikwerkzeuge,
- Formelsammlungen und Tabellenbücher,
- Gesetzestexte, Normen oder Fachbücher,
- Wörterbücher,
- selbst erstellte Übersichten in ausdrücklich erlaubtem Umfang,
- technische Geräte für Präsentationen oder praktische Prüfungen,
- individuell genehmigte Nachteilsausgleiche oder medizinisch erforderliche Mittel.
Ob etwas dazugehört, hängt vom Prüfungskontext ab. Ein Lineal kann in einer technischen Prüfung selbstverständlich sein und in einer anderen Liste gar nicht erscheinen. Eine Formelsammlung kann gestellt werden, selbst mitzubringen oder vollständig ausgeschlossen sein. Deshalb ist die genaue Fassung wichtiger als eine allgemeine Ausrüstungsliste aus dem Internet.
Welche Unterlagen musst du zusammen lesen?
Eine belastbare Prüfung beginnt mit dem Dokumentencheck. Je nach System können mehrere Ebenen zusammenwirken:
- Prüfungsordnung: Sie regelt den institutionellen Rahmen, Zuständigkeiten und mögliche Folgen bei Verstößen.
- Prüfungsspezifische Hilfsmittelliste: Sie nennt Gegenstände, Geräte oder Ausgaben für einen bestimmten Beruf, ein Fach oder einen Prüfungsteil.
- Einladung oder Klausurankündigung: Sie ordnet Termin, Ort und konkrete organisatorische Hinweise zu.
- Aufgaben- oder Durchführungshinweise: Sie können festlegen, ab welchem Prüfungsteil ein Hilfsmittel verwendet wird.
- Nachträge und schriftliche Auskünfte: Sie klären Änderungen oder offene Modellfragen innerhalb der geregelten Zuständigkeit.
Erfinde bei Widersprüchen keine eigene Rangfolge. Dokumentiere die beiden Fundstellen und bitte die nach der Ordnung zuständige Stelle um schriftliche Klärung.
Schule, Uni und IHK: Warum die Prüfungssysteme getrennt bleiben
| Kontext | Offizielle Unterlagen | Zusätzlich prüfen |
|---|---|---|
| Schule oder Abitur | Landesvorgabe, Fach- oder Abiturerlass, Schulhinweis | Bundesland, Bildungsgang, Kurs und Prüfungsteil |
| Universität | Prüfungsordnung, Fakultäts- oder Modulhinweis, Klausurankündigung | Studiengang, Modul, Semester und zuständige Stelle |
| IHK | Prüfungsordnung, berufsspezifische Hilfsmittelliste, Einladung | Kammer, Beruf oder Fortbildung, Prüfungsteil und Termin |
Schule und Abitur
Im deutschen Abitur setzen die Länder gemeinsame Aufgabenrahmen in eigenen Vorgaben um. Die IQB-Hinweise bis einschließlich Prüfungsjahr 2029 unterscheiden in Mathematik unter anderem Teile ohne digitales Hilfsmittel und Teile mit einem definierten Werkzeugrahmen. Daraus folgt keine bundesweite Modellfreigabe. Für 2027 zeigt der Taschenrechner-Check nach Bundesland, wie stark sich Funktionsanforderungen und Prüfungszustände unterscheiden.
Für eine andere Schulprüfung brauchst du die passende Landes-, Schulart- und Fachregel. Eine Abiturvorgabe darf nicht ungeprüft auf eine Klassenarbeit oder Abschlussprüfung übertragen werden.
Universität und Hochschule
Selbst an derselben Universität können Module verschiedene Hilfsmittel vorsehen. Der Gemeinsame Prüfungsausschuss Wirtschaftswissenschaft der Bergischen Universität Wuppertal definiert in seiner Mitteilung NR 02/2024 für seinen Bereich einen „nicht programmierbaren Taschenrechner“ anhand mehrerer Merkmale. Ein anderer Wuppertaler Lehrbereich oder eine andere Hochschule kann andere Unterlagen verwenden.
Prüfe daher Modul, Prüfungstermin und zuständige Stelle. Der Artikel Taschenrechner in Uni-Klausuren führt durch die Modellsuche und die schriftliche Anfrage.
IHK-Prüfungen
Auch bei der IHK ist der genaue Scope entscheidend. Die Aufgabenstelle AkA nennt auf ihrer Hilfsmittelseite für die schriftliche kaufmännische Zwischenprüfung einen „nicht programmierten, netzunabhängigen Taschenrechner ohne Kommunikationsmöglichkeit mit Dritten“. Die IHK Potsdam nennt für ihren schriftlichen AEVO-Prüfungsteil dagegen einen netzunabhängigen, nicht kommunikationsfähigen, programmierbaren Taschenrechner. Das ist kein Widerspruch, sondern zeigt zwei unterschiedliche Prüfungen mit eigenen Vorgaben.
Welche Dokumente für deinen Beruf oder Abschluss zusammengehören, erklärt Taschenrechner in der IHK-Prüfung.
Formulierungen richtig lesen
Ein einzelnes Wort kann mehrere Prüfungen nicht vereinheitlichen. Achte auf Zusätze und Verben.
„Nicht programmiert“ oder „nicht programmierbar“
„Nicht programmiert“ kann auf den aktuellen Zustand eigener Inhalte zielen. „Nicht programmierbar“ kann eine Gerätefähigkeit beschreiben. Ob eine Prüfungsstelle diese Unterscheidung genauso verwendet, ergibt sich nur aus ihrer eigenen Definition und möglichen Modellhinweisen.
„Unkommentiert“
Bei Gesetzestexten oder Normen kann „unkommentiert“ sowohl die Ausgabe als auch eigene Eintragungen betreffen. Die IHK München erklärt für ihre Fortbildungsprüfungen detailliert, welche Markierungen, Klebereiter und Paragrafenverweise innerhalb ihres Scopes zulässig sind und welche Ergänzungen nicht. Nutze diese lokale Erläuterung nicht als Regel einer anderen Kammer.
„Open Book“
Der Begriff kann ein bestimmtes Buch, alle gedruckten Unterlagen, eigene Notizen oder eine digitale Umgebung meinen. Prüfe Format, Zahl der Seiten, Kommentierungen, elektronische Geräte und Kommunikation einzeln.
„Keine Kommunikationsmöglichkeit“
Kläre, welche Schnittstellen und Zustände erfasst sind. Flugmodus, Offline-Nutzung oder fehlende Internetverbindung beweisen nicht automatisch, dass ein Gerät die verlangte Definition erfüllt.
Die Zehn-Punkte-Checkliste vor deiner Prüfung
1. Prüfung exakt benennen
Notiere Institution, Bildungsgang oder Studiengang, Fach beziehungsweise Beruf, Prüfung, Teil und Termin.
2. Offizielle Einstiegsseite finden
Beginne bei Ministerium, Hochschule, Prüfungsamt, IHK oder der offiziell benannten Aufgabenstelle – nicht bei einem Forum oder Händler.
3. Geltungsbereich lesen
Prüfe, ob Dokument, Jahr, Semester und Prüfungsteil wirklich zu dir gehören.
4. Alle Hilfsmittel einzeln erfassen
Erstelle eine Liste mit Schreibmaterial, Büchern, Formelsammlung, Rechner, Geräten und erlaubten eigenen Unterlagen.
5. Bearbeitungsregeln notieren
Markierungen, Register, Notizen, Einlegeblätter und digitale Dateien können separat geregelt sein.
6. Gerätefunktionen abgleichen
Prüfe beim exakten Modell Programme, Text, Formeln, Grafik, CAS, Kommunikation, Dateispeicher und anerkannten Prüfungsmodus.
7. Bereitstellung klären
Wird eine Formelsammlung ausgeteilt? Musst du ein Buch selbst mitbringen? Ist eine bestimmte Ausgabe vorgeschrieben?
8. Offene Punkte schriftlich fragen
Nenne konkrete Fundstelle, Modell und Funktion. Eine präzise Frage ist besser als „Was darf ich alles mitbringen?“
9. Antwort und Fassungen sichern
Speichere offizielle PDFs, Nachträge und schriftliche Auskünfte mit Datum. Verlasse dich nicht auf einen alten Screenshot ohne Quelle.
10. Regelkonformen Ersatz vorbereiten
Plane nur einen Ersatz, der dieselben Vorgaben eindeutig erfüllt. Zusätzliche Geräte „zur Sicherheit“ können selbst problematisch sein.
Was gehört in eine gute schriftliche Rückfrage?
Eine knappe Anfrage kann so aufgebaut sein:
Ich schreibe am [Datum] die Prüfung [genaue Bezeichnung] im Prüfungsteil [Teil]. In der offiziellen Information [Titel und Link] steht [Wortlaut]. Mein Rechner ist [vollständiges Modell und Softwareversion] und besitzt [konkrete offene Funktion]. Erfüllt dieses Modell die Vorgabe für genau diesen Prüfungsteil? Falls eine andere Stelle zuständig ist, bitte ich um den richtigen Kontaktweg.
Die Vorlage verlangt keine pauschale Produktfreigabe. Sie verbindet Prüfung, Quelle und offene Eigenschaft. Bewahre die Antwort gemeinsam mit der maßgeblichen Regel auf.
Was solltest du am Prüfungstag beachten?
- Nimm nur die geklärten Hilfsmittel mit in den Prüfungsbereich.
- Verwende Bücher und Gesetzestexte nur in der erlaubten Fassung und Bearbeitung.
- Warte bei abschnittsweise zugelassenen Geräten auf die Anweisung der Aufsicht.
- Ändere einen vorgeschriebenen Geräte- oder Prüfungszustand nicht eigenmächtig.
- Frage vor der Nutzung, wenn die mitgeteilte Situation von den Unterlagen abweicht.
- Folge den organisatorischen Anweisungen und dokumentiere eine spätere Unklarheit sachlich.
Ein möglicher Verstoß hat nicht überall dieselben Folgen. Der Beitrag Täuschungsversuch in der Prüfung erklärt unterschiedliche Verfahren, ohne eine universelle Sanktion zu behaupten.
Häufige Fragen zu erlaubten Hilfsmitteln
Gibt es eine allgemeine Liste erlaubter Hilfsmittel für Deutschland?
Nein. Regeln unterscheiden sich nach Institution, Prüfung, Fach oder Beruf, Termin und Prüfungsteil. Nutze die aktuelle offizielle Information für genau deinen Kontext.
Ist alles erlaubt, was nicht ausdrücklich verboten ist?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Manche Listen sind abschließend und schließen weitere Hilfsmittel ausdrücklich aus. Andere beschreiben Kategorien. Prüfe Wortlaut und Geltungsbereich statt aus einer Lücke eine Erlaubnis abzuleiten.
Darf ich in erlaubte Gesetzestexte schreiben?
Nur im Umfang der konkreten Regel. Unterstreichungen, Register, Paragrafenverweise und eigene Wörter können unterschiedlich behandelt werden. Prüfe Ausgabe und Bearbeitung getrennt.
Ist mein Smartphone als Taschenrechner zulässig?
Nicht automatisch. Ein Smartphone besitzt weitere Speicher- und Kommunikationsfunktionen. Es ist nur nutzbar, wenn die konkrete Regel genau dieses Gerät oder diese Form ausdrücklich vorsieht.
Gilt eine Freigabe aus dem letzten Semester weiter?
Nur wenn die aktuelle Regel und der Prüfungskontext unverändert sind und die zuständige Stelle die Aussage weiterhin trägt. Öffne für jeden Termin die aktuelle Fassung neu.
Was mache ich bei widersprüchlichen Informationen?
Sende beide offiziellen Fundstellen an die nach der Prüfungsordnung zuständige Stelle und bitte rechtzeitig um schriftliche Klärung. Übertrage bis dahin keine fremde Regel und entscheide die Rangfolge nicht selbst.
Fazit: Eine belastbare Liste ist immer konkret
Erlaubte Hilfsmittel lassen sich nicht aus Gewohnheit oder einer allgemeinen Webliste ableiten. Benenne deine Prüfung exakt, öffne die offiziellen Unterlagen, prüfe Geltungsbereich und Bearbeitungsregeln und gleiche technische Funktionen einzeln ab. Wenn ein Punkt offen bleibt, schafft eine schriftliche, konkrete Rückfrage mehr Sicherheit als eine pauschale Aussage zu Schule, Universität oder IHK.
Quellen und Stand
Quellen geprüft am 24. August 2026. Die Beispiele zeigen unterschiedliche Regelwege und gelten ausschließlich im jeweils genannten Geltungsbereich.
- Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen: Hinweise zur Verwendung von Hilfsmitteln in Mathematik bis einschließlich Prüfungsjahr 2029, Stand 23. Januar 2024; Scope: gemeinsamer Aufgabenrahmen der Abituraufgabenpools, keine Landes- oder Modellfreigabe.
- Bergische Universität Wuppertal, Gemeinsamer Prüfungsausschuss Wirtschaftswissenschaft: Mitteilung NR 02/2024 „Nicht programmierbarer Taschenrechner als zugelassenes Hilfsmittel“, ausgefertigt am 17. April 2024; Scope: die dort erfassten wirtschaftswissenschaftlichen Prüfungen.
- AkA – Aufgabenstelle für kaufmännische Abschluss- und Zwischenprüfungen: Hinweise für die Zwischenprüfung Herbst 2026, Auflage 07/26, Seite 2; Scope: die dort aufgeführten schriftlichen kaufmännischen Zwischenprüfungen im Herbst 2026.
- IHK Potsdam: Ausbildereignungsprüfung nach AEVO, Seite am 24. August 2026 live geprüft; Scope: dort beschriebene schriftliche und praktische AEVO-Prüfung der IHK Potsdam.
- IHK für München und Oberbayern: Erlaubte Hilfsmittel bei Fortbildungsprüfungen, Seite am 24. August 2026 live geprüft; Scope: lokale Erläuterungen und verlinkte Listen für die dort erfassten Fortbildungsprüfungen.