Bei einer Open-Book- oder Kofferklausur darfst du nur die Hilfsmittel verwenden, die für genau diese Prüfung schriftlich freigegeben wurden. Kläre zuerst Materialien, Geräte, Internet, Kommunikation, Annotationen und Zitierregeln. Reduziere danach deine Unterlagen, baue ein schnelles Register und übe typische Transferaufgaben mit demselben Material unter Zeitlimit. Zugriff auf Bücher oder Dateien ersetzt weder Fachverständnis noch die Fähigkeit, eine passende Fundstelle rechtzeitig anzuwenden.
Der Name allein ist keine vollständige Regel. Zwei Hochschulen – oder sogar zwei Module derselben Hochschule – können Open Book sehr unterschiedlich ausgestalten. Maßgeblich sind Prüfungsordnung, offizielle Ankündigung und konkrete Hinweise der Prüfungsverantwortlichen.
Welche Hilfsmittel erlaubt sind, ergibt sich aus den Regeln deiner konkreten Prüfung. Prüfe Prüfungsordnung, Hilfsmittelbekanntmachung und Prüfungshinweise zusammen. Kläre Unklarheiten vorab schriftlich mit der danach zuständigen Stelle. Spickboy gibt keine universelle Zulassungszusage.
Open Book, Open Note und Kofferklausur unterscheiden
Die Begriffe werden nicht überall einheitlich verwendet. Sie beschreiben meist eine Prüfung mit zugelassenen inhaltlichen Unterlagen, sagen aber noch nicht, welche Unterlagen das sind.
| Begriff | Häufig gemeint | Immer gesondert prüfen |
|---|---|---|
| Open Book | bestimmte Bücher, Skripte oder weitere Quellen sind zugelassen | Umfang, Ausgabe, Annotationen, Geräte und Internet |
| Open Note | eigene Notizen sind in definierter Form erlaubt | Seitenzahl, handschriftlich oder digital, Ausdrucke und Austausch |
| Kofferklausur | umfangreichere schriftliche Materialien dürfen mitgebracht werden | technische Hilfsmittel, Kommunikation und konkrete Materialgrenzen |
Das sind Orientierungspunkte, keine deutschlandweit verbindlichen Definitionen. Auch ein Take-Home-Exam ist nicht automatisch dasselbe: Ort, Aufsicht, Bearbeitungsfenster und Abgabeprozess können sich deutlich von einer zeitgleichen Open-Book-Klausur unterscheiden.
Ein offizielles Beispiel zeigt, warum diese Trennung nötig ist: Eine Hilfsmittelverfügung der Universität Hamburg für einen bestimmten gemeinsamen rechtswissenschaftlichen Studiengang gestattete bei den dort erfassten Open-Book-Klausuren Bücher und Aufzeichnungen, schloss technische Hilfsmittel aber aus. Das ist ein lokaler Gegenbeleg zur Annahme „Open Book heißt digital alles erlaubt“ – keine Regel für andere Studiengänge.
Der 60-Sekunden-Regelcheck vor jeder Materialplanung
Beantworte diese fünf Fragen aus einer offiziellen schriftlichen Quelle:
- Welche Inhalte? Bestimmte Bücher, Skripte, Gesetzestexte, Formelsammlungen, eigene Notizen oder alle Kursmaterialien?
- Welche Form? Gedruckt, handschriftlich, digital oder eine genau bezeichnete Kombination?
- Welche Technik? Rechner, Laptop, Tablet, lokaler PDF-Reader, Internetzugang oder nur die Prüfungsplattform?
- Welche Bearbeitung? Sind Markierungen, Register, handschriftliche Ergänzungen, kopierte Seiten oder eigene Dateien begrenzt?
- Welche Zusammenarbeit und Dokumentation? Gelten Eigenständigkeitserklärung, Zitierpflicht, Kommunikationsverbot oder besondere Upload-Vorgaben?
Findest du auf eine Frage keine belastbare Antwort, leite die Erlaubnis nicht aus dem Wort „Open Book“ ab. Frage die zuständige Stelle schriftlich und nenne Prüfung, Termin, Material oder Gerät und die konkrete offene Funktion. Der allgemeine Entscheidungsprozess im Ratgeber zu erlaubten Hilfsmitteln in Prüfungen hilft beim Abgleich, ersetzt aber nicht die lokale Vorgabe.
Warum eine Open-Book-Klausur Vorbereitung verlangt
Offene Unterlagen verringern die Notwendigkeit, jede Einzelheit wortgetreu zu erinnern. Sie beseitigen jedoch drei andere Aufgaben nicht:
- erkennen, welches Konzept zu einer neuen Frage passt,
- die passende Stelle schnell finden und korrekt einordnen,
- innerhalb der Prüfungszeit eine eigene, nachvollziehbare Antwort formulieren.
Viele Open-Book-Konzepte setzen deshalb auf Anwendung, Analyse oder Transfer. Das bedeutet nicht, dass jede solche Klausur automatisch schwerer ist. Es bedeutet nur: Eine große Materialmenge ist kein Ersatz für Übung. Wer erst während der Prüfung sein Skript kennenlernt, verbraucht Zeit für Navigation und riskiert, eine gefundene Passage ohne passenden Zusammenhang zu übernehmen.
Beginne die Vorbereitung deshalb mit den Lernzielen und typischen Aufgaben – nicht mit bunten Registern. Materialorganisation folgt dem fachlichen Verständnis.
Eine schlanke Materialarchitektur bauen
Stufe 1: Themenkarte
Erstelle auf einer Seite eine Landkarte der prüfungsrelevanten Themen. Pro Thema genügen:
- zentrale Frage oder Aufgabentyp,
- wichtigste Begriffe oder Verfahren,
- primäre Fundstelle,
- typische Verwechslung.
Diese Karte ist ein Navigationswerkzeug, keine zusätzliche Vollzusammenfassung. Sie sollte dich zur verlässlichen Originalstelle führen und gleichzeitig zeigen, welche Themen du ohne Suchen erklären kannst.
Stufe 2: Fundstellenindex
Ordne Bücher, Skriptteile oder Dateien nach derselben Themenlogik. Nutze klare, kurze Labels. „Voraussetzungen Regression“ ist hilfreicher als „wichtig“. Bei gedruckten Unterlagen können – sofern erlaubt – Seitenregister oder ein Inhaltsverzeichnis genügen. Bei digitalen Unterlagen können Lesezeichen und eindeutige Dateinamen helfen.
Teste jede Fundstelle: Kannst du innerhalb von 20 bis 40 Sekunden vom Themenbegriff zur richtigen Passage gelangen? Dieser Wert ist keine offizielle Vorgabe, sondern ein praktischer Stresstest. Wenn du länger brauchst, liegt das Problem oft an zu vielen Quellen oder uneindeutigen Labels.
Stufe 3: Persönliche Kurzübersicht
Verdichte nur das, was wirklich Entscheidungshilfe bietet:
- Voraussetzungen und Grenzen eines Verfahrens,
- häufig verwechselte Begriffe,
- Rechenschritte mit Einheiten,
- Zitier- oder Antwortstruktur,
- eigene Fehler aus Übungsaufgaben.
Ob du diese Übersicht mitnehmen darfst, ist eine separate Regelfrage. Auch wenn sie nicht erlaubt ist, kann ihre Erstellung als Lernhandlung nützlich sein. Lass keine fremden Unterlagen ungeprüft in dein Set einfließen; Inhalt, Erlaubnis und Urheberschaft können unklar sein.
Gedruckte und digitale Materialien vorbereiten
Gedruckte Unterlagen
Prüfe erlaubte Ausgaben, Umfang und Annotationen. Sortiere Blätter stabil und so, dass nichts während der Klausur neu geordnet werden muss. Verwende ein knappes Register statt Dutzender ähnlicher Markierungen. Nimm nur Material mit, dessen Rolle du kennst.
Digitale Unterlagen
Eine digitale Open-Book-Prüfung kann lokale Dateien erlauben, Internetzugang begrenzen oder ausschließlich Ressourcen in einer Plattform bereitstellen. Prüfe deshalb:
- erlaubte Geräte und Anwendungen,
- Dateiformate und maximale Dateigrößen,
- Suchfunktion und Lesezeichen,
- Offline-Verfügbarkeit, falls relevant,
- Stromversorgung und technische Ersatzregel,
- Abgabeformat, Dateiname und Uploadfrist.
Teste die tatsächliche Prüfungsumgebung, sofern ein Probelauf angeboten wird. Übe nicht mit Internet, mehreren Bildschirmen oder KI-Werkzeugen, wenn diese in der Prüfung nicht ausdrücklich freigegeben sind. Eine erlaubte PDF ist keine stillschweigende Erlaubnis für weitere Programme.
Unter Zeitdruck üben: finden reicht nicht
Wähle repräsentative Anwendungsfragen oder offiziell bereitgestelltes Beispielmaterial. Lege nur das vorgesehene Material bereit und stelle ein realistisches Zeitlimit ein. Bearbeite zunächst ohne Suche den Teil, den du sicher kannst. Nutze den Index erst für eine konkrete Lücke.
Werte anschließend vier Punkte aus:
- Habe ich die richtige Methode oder Quelle gewählt?
- Wie lange dauerte die Navigation?
- Habe ich die Fundstelle erklärt und angewendet oder nur abgeschrieben?
- War meine Dokumentation vollständig?
Führe ein kleines Fehlerlog. Ein Eintrag wie „Definition auf Seite 43 nicht gefunden“ führt zu einem besseren Register. „Passage gefunden, aber Ausnahme übersehen“ verlangt dagegen fachliche Wiederholung. So verhinderst du, dass jedes Problem fälschlich mit mehr Material beantwortet wird.
Bei Antwort-Wahl-Aufgaben bleiben Format und Bewertung eigenständig wichtig. Nutze dafür die Strategie für Multiple-Choice-Prüfungen; Open Book ändert das Bewertungssystem nicht automatisch.
Zitieren, dokumentieren und eigenständig arbeiten
Manche Open-Book-Prüfungen verlangen Quellenangaben, andere erwarten lediglich eigenständige Antworten; wieder andere definieren ein bestimmtes Dokumentationsformat. Kläre vorab:
- ob Kurzbelege, Seitenzahlen oder ein Literaturverzeichnis nötig sind,
- wie Kursmaterialien oder bereitgestellte Quellen bezeichnet werden,
- ob wörtliche Übernahmen gesondert markiert werden müssen,
- wie Eigenständigkeit bestätigt wird.
Plane dafür Prüfungszeit ein. Eine fachlich passende Passage wird nicht zur eigenen Antwort, nur weil sie erlaubt zugänglich ist. Formuliere den Zusammenhang und beantworte die konkrete Frage. Kommunikation mit anderen Personen bleibt ohne ausdrückliche Freigabe tabu, auch wenn die Prüfung außerhalb eines Hörsaals stattfindet.
Die letzte Kontrolle am Prüfungstag
- aktuelle offizielle Prüfungsinformation noch einmal prüfen,
- nur erlaubte Unterlagen und Geräte bereitlegen,
- Register, Seiten und Dateien stichprobenartig öffnen,
- bei digitalen Formaten Anmeldung, Strom und Abgabeweg testen,
- Zeitbudget einschließlich Quellenangaben und Upload festlegen,
- nicht in letzter Minute neue Materialsammlungen hinzufügen,
- offene Regelfrage nicht durch eine eigene Annahme ersetzen.
Wenn ein Taschenrechner Teil der Freigabe ist, entscheidet weiterhin die konkrete Geräte- und Funktionsregel. Eine Kofferklausur macht einen programmierbaren Taschenrechner nicht automatisch zulässig.
Häufige Fragen zu Open-Book- und Kofferklausuren
Ist eine Open-Book-Klausur leichter als eine geschlossene Klausur?
Nicht automatisch. Die verfügbaren Unterlagen verändern die Aufgabe, erlauben aber keine zuverlässige Aussage über Schwierigkeit oder Bestehenswahrscheinlichkeit. Entscheidend sind Lernziele, Aufgaben, Bewertung, Zeit und deine Fähigkeit, Informationen passend anzuwenden.
Darf ich bei Open Book das Internet oder KI nutzen?
Nur wenn dies für die konkrete Prüfung ausdrücklich freigegeben ist. „Open Book“ allein erlaubt weder Internet noch KI, Kommunikation oder beliebige Programme. Prüfe die schriftlichen Vorgaben und frage bei Unklarheit nach.
Ist eine Kofferklausur dasselbe wie Open Book?
Die Begriffe werden häufig ähnlich verwendet, sind aber nicht einheitlich geregelt. „Kofferklausur“ deutet oft auf umfangreiche schriftliche Unterlagen hin. Welche Bücher, Notizen, Geräte und Ergänzungen tatsächlich erlaubt sind, steht allein in den konkreten Prüfungsinformationen.
Wie viele Unterlagen sollte ich mitnehmen?
So viele wie ausdrücklich erlaubt und so wenige wie praktisch nötig. Jede Quelle sollte eine klare Aufgabe haben und schnell navigierbar sein. Eine ungeordnete Vollsammlung erhöht Suchzeit und kann fachliche Unsicherheit verdecken.
Muss ich in einer Open-Book-Prüfung Quellen angeben?
Das hängt von Aufgabe und Vorgabe ab. Kläre Zitierweise, Eigenständigkeit und Umgang mit wörtlichen oder sinngemäßen Übernahmen vorab. Fehlt eine eindeutige Information, frage die Prüfungsverantwortlichen schriftlich.
Fazit: Erst Regeln sichern, dann Material verkleinern
Öffne jetzt die aktuelle Prüfungsankündigung und beantworte den Fünf-Punkte-Regelcheck. Baue danach eine einseitige Themenkarte und teste drei Fundstellen unter Zeitlimit. Wenn du eine Erlaubnis nicht schriftlich belegen kannst, frage nach, bevor du dein Material darauf ausrichtest. Weitere Orientierung zu sicheren Prüfungsentscheidungen findest du im Spickboy Ratgeber.
Quellen und Stand
Quellen geprüft am 24. August 2026. Die Beispiele zeigen unterschiedliche Ausgestaltungen und gelten ausschließlich in ihrem angegebenen institutionellen, zeitlichen und prüfungsbezogenen Scope.
- Technische Universität München / Bayerisches Kompetenzzentrum für Fernprüfungen: Handreichung Open-Book-Prüfung, Version 1.1 vom 22. Oktober 2021. Scope: Fernprüfungen an bayerischen Universitäten; keine allgemeine Erlaubnisliste.
- Universität Hamburg: Take-Home-Exams, ohne sichtbares Aktualisierungsdatum. Scope: universitätsinterne digitale Prüfungsformen und die notwendige Bekanntgabe konkreter Hilfsmittel.
- Universität Hamburg, Prüfungsausschuss Gemeinsamer Studiengang Rechtswissenschaft Hamburg/Istanbul: Hilfsmittelverfügung, 16. Juni 2020. Scope: ausschließlich die dort bezeichneten Prüfungen; Beispiel für erlaubte schriftliche und ausgeschlossene technische Hilfsmittel.
- Universität Leipzig, E-Learning: Digitale Open-Book-Klausuren, sichtbarer Seitenhinweis „vor 2 Jahren“ ohne exaktes Datum. Scope: didaktische Empfehlungen für digitale Open-Book-Formate; keine bundesweite Prüfungsregel.
- Universität Paderborn: Digitale Prüfformate, ohne sichtbares Aktualisierungsdatum; verweist auf eine Online-Prüfungsordnung vom 31. März 2023. Scope: lokale digitale Prüfungsformate und Probeläufe.
- Universität Wien, StudienServiceCenter Psychologie: Digitale Prüfungen, 14. August 2020. Scope: österreichischer, psychologiespezifischer Kontext; belegt nur, dass auch dort konkrete Freigaben und Eigenständigkeitsregeln gelten.